Was ist Faulbrut?

Bei der Faulbrut handelt es sich um zwei verschiedene bakterielle Brutkrankheiten der Honigbienen:

Paenibacilluslarvae.jpgMan unterscheidet zwischen der durch Melissococcus plutonius (Enterococcaceae) ausgelösten Europäischen Faulbrut (EFB) und der durch Paenibacillus larvae (Paenibacillaceae) ausgelösten Amerika-nischen Faulbrut (AFB).
Die relativ harmlose Europäische Faulbrut wird auch als Gutartige Faulbrut oder (aufgrund des entstehenden sauren Geruchs) als "Sauerbrut" bezeichnet.
Die Amerikanische Faulbrut hingegen wird auch Bösartige Faulbrut genannt und ist in Deutschland und Österreich anzeigepflichtig, in der Schweiz meldepflichtig.


Die Amerikanische Faulbrut

afb_x250.jpgist eine Erkrankung der älteren Bienenbrut, nämlich der Streckmaden: Sie befinden sich in der bereits mit einem Wachsdeckel verschlossenen Brutzelle. Bei erwachsenen Tieren bricht die Krankheit nicht aus, aber sie sind Überträger. Im Erkrankungsverlauf löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf und es bleibt nur eine zähe, braune, schleimige Substanz übrig, die später zu einem dunklen Schorf eintrocknen kann, der fest an der Zellwand sitzt. Die Bezeichnung "amerikanisch" bezieht sich nicht auf ein Ursprungsgebiet, sondern auf den Ort der Entdeckung; die Krankheit tritt weltweit auf.


Ursache

ammenbiene.jpgAmmenbienen füttern Larven mit Sporen der Paenibacillus larvae-Bakterien und stecken sie so an. An der TU Berlin und am Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf klärte man die Stoffwechselwege des Bakteriums auf. Nachdem eine Gen-Sequenz auf einen ungewöhnlichen Sekundärmetaboliten schließen ließ, wurde dieser identifiziert und der Biosyntheseweg geklärt. Das Paenilamicin genannte Antibiotikum zerstört keine Bienenlarven. Seine antibakterielle Wirkung hilft dem Bakterium aber, sich gegen mikrobielle Konkurrenten im Larven-Darm durchzusetzen.


Infektionsverlauf

honigeinlagerung.jpgSporen des Bakteriums Paenibacillus larvae gelangen mit kontaminiertem Honig oder Waben in gesunde Bienenvölker. Durch Körperkontakt und Futteraustausch werden die Sporen im Bienenvolk verteilt. Sporen kontaminieren den in Waben eingelagerten Honig. Ammenbienen verfüttern so das kontaminierte Larvenfutter.

In den Därmen der Larven keimen die Sporen aus und vermehren sich als Stäbchen (bacillus). Wird die Larve vor der Verdeckelung der Brutzelle von Bakterien getötet, so wird sie von den ihrem Putztrieb folgenden Arbeiterinnen häufig entfernt. Ist die Brutzelle aber bereits verdeckelt, so stirbt die Larve und zersetzt sich zu einer Faden ziehenden Masse (Streichholzprobe).

faulbrutzellen.jpgJede unerkannt gebliebene, infizierte Larve trocknet ein (Faulbrutschorf) und enthält nach vollständiger Zersetzung bis zu 2,5 Milliarden neuer Sporen. Zusammenbrechende Bienenvölker werden von Bienen anderer Völker ausgeräubert, wodurch sich die Sporen in deren Völkern verteilen.

 
Heilung

sperrkreis.jpgBei einem AFB-Ausbruch droht durch Verflug und Räuberei die Infizierung eines weiten Gebiets. Daher ist sie in Österreich und einigen anderen Ländern eine anzeigepflichtige Tierseuche. Nach der amtlichen Feststellung der Krankheit durch das zuständige Veterinäramt wird ein Faulbrut-Sperrbezirk mit mindestens drei Kilometern Radius um den betroffenen Bienenstand für mind. 3 Monate eingerichtet. In dieser Zeit dürfen keine Völker aus dem Gebiet verbracht und auch nicht hintransportiert werden. Ein Bienensachverständiger od. Tierarzt kontrolliert alle im Sperrkreis befindlichen Bienenvölker.

futterkranzprobe2.jpgEine Belastung seiner Bienenvölker mit AFB-Sporen kann der Imker jährlich durch Futterkranzproben bestimmen lassen. Der Nachweis von Sporen in den Proben bedeutet aber nicht, dass die AFB auch schon ausgebrochen ist. Erst wenn auch ein klinischer Befund besteht (schleimiger Zelleninhalt, Streichholzprobe positiv), sind Maßnahmen zu ergreifen.

verbrennen.jpgEine AFB-Sanierung bedeutete früher meist die Vernichtung aller Völker auf dem Stand durch Abschwefeln (Abtöten der Bienen) und Verbrennen des gesamten Materials.
Heute wird, wenn die Ausbreitungstendenz begrenzt ist und der Imker die entsprechenden Möglichkeiten hat, auf Kunstschwarmverfahren und Beutendesinfektion gesetzt.

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Auch Kunststoffbeuten können effektiv desinfiziert werden. Allerdings muss auch weiterhin jegliches schon einmal bebrütetes Wabenmaterial aus den befallenen Völkern gesondert vernichtet oder zumindest einem wachsverarbeitenden Betrieb als so genanntes Seuchenwachs angeliefert werden. Durch einen Einschmelzvorgang mit festgelegten Parametern (Temperatur, Druck und Dauer) werden dort alle enthaltenen Sporen abgetötet.

Weltweit wird die AFB auch mit Antibiotika bekämpft, was in Österreich verboten ist. Das Mittel hat jedoch den gravierenden Nachteil, dass die Erreger nur in der aktiven Wachstumsphase abgetötet werden, nicht aber die Endosporen als Dauerform. Die Endosporen sind im eingetrockneten "Faulbrutschorf" millionenfach in jeder der befallenen Brutwabenzellen vorhanden und können mehr als fünfzig Jahre überdauern. Bei unzureichenden begleitenden Hygienemaßnahmen kann es dann immer wieder zum Ausbruch der Krankheit kommen.

Die Endosporen werden auch über den weltweiten Honighandel verbreitet. Diese können dann durch Räuberei aus ungespülten Honiggläsern und Honiggläsern mit Restinhalt im Glascontainer in die Völker gelangen, so dass schon Glascontainer mit Honiggläsern bis zur Leerung mit Löschschaum gefüllt werden mussten.

Die Amerikanische Faulbrut stellt keinerlei Gefährdung für die erwachsene (adulte) Biene, den Menschen oder andere Lebewesen dar.

 

Verdachtsmomente, die eine Überprüfung (Streichholzprobe) auf AFB sinnvoll erscheinen lassen, sind folgende Symptome:

* lückenhaftes Brutnest (schwacher Verdacht, kann auch andere Gründe haben, z.B. Varroa
* eingesunkene, löchrige, feucht glänzende Zelldeckel
* vereinzelte stehen gebliebene verdeckelte Brutzellen
* hell- bis dunkelbraune, fadenziehende Masse in der Brutzelle
* festsitzende Schorfe in der unteren Rinne der Brutzelle
* ev. charakteristischer Geruch der schleimigen Masse nach Knochenleim (alter Tischlerleim)

Streichholzprobe

streichholzprobe.jpgBei der Streichholzprobe wird das zündkopffreie Ende eines Streichholzes in eine verdächtig erscheinende und kurz vorher geöffnete Brutzelle bis auf den Zellengrund geschoben. Die Probe ist positiv, wenn ein schleimiger Faden, ähnlich einem hochviskosen Klebstoff, herausgezogen werden kann und keine Körperstruktur (in Form einer schlaffen Larvenhaut) mehr zu erkennen ist. Ein sicherer Beleg für den Ausbruch der Krankheit ist durch die Untersuchung einer Probe (Futterkranzprobe) im Labor zu erbringen. Dort erfolgt ein bakteriologischer oder molekulargenetischer Erregernachweis. Bei offenen Brutzellen gibt die Streichholzprobe keine verlässlichen Anhaltspunkte, da der ursprünglich schleimige Inhalt befallener Zellen meist schon eingetrocknet ist und festsitzt.